Kommst du dir manchmal auch total einfallslos vor? Und du würdest gerne wissen, wie die anderen Autoren immer alle ihre tollen Ideen finden?

Dabei fühlst du dich so kreativ wie eine Scheibe Brot.

Weil auch ich auf der Suche nach der ultimativen Ideenquelle war, habe ich mich mit vielen verschiedenen Methoden beschäftigt.

Und die meisten Ratgeber, die ich gefunden habe, reden alle vom Gleichen: Augen und Ohren offen halten, rausgehen, Zeitung lesen, beobachten – dann kämen die Ideen von alleine. Das stimmt ja auch, per se sind diese Tipps alle nicht schlecht.

Aber wenn ich spontan eine Kurzgeschichte oder irgend einen Text schreiben will (oder muss), dann möchte ich nicht erst drei Stunden im Café verbringen und Leute beobachten, bis ich eine Inspiration habe. Dann brauche ich auf der Stelle eine Idee.

Darum habe ich mir einen Fundus an Ideen angelegt, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann — mit einer Methode, die ich jederzeit und überall anwenden kann, sollte ich einmal spontan eine neue Idee brauchen.

Auf der Suche nach meiner geeignetsten Methode bin ich auf einen Beitrag von James Altucher gestossen.

Er beschreibt darin, wie du in sechs Monaten mittels Listen zu einer Ideen-Maschine werden kannst. Und wenn du Englisch verstehst, empfehle ich dir, wirklich seinen ganzen Beitrag zu lesen. Es lohnt sich.

Für einen Listen-Freak wie mich klang das vielversprechend und ich musste das natürlich gleich ausprobieren.

Ideen finden mit der «10 Ideen Liste“

Der Schlüssel dieser Methode ist es, jeweils eine Liste von mindestens zehn Ideen zu erstellen. Zu welchem Thema ist völlig egal.

Zum Beispiel «Zehn Ideen für einen ausgefallenen Kerzenständer“. «Zehn Ideen für eine Liebesgeschichte“ oder «Zehn Ideen für einen Blog“. Oder «Zehn Ideen, wie ich meine Familie dazu bringe, den Abwasch zu machen“.

Ideen finden ist wie Krafttraining: Wenn du Liegestütze, Kniebeugen oder Hanteltraining machst, fallen dir die ersten paar Wiederholungen leicht. Je mehr du aber davon machst, umso schwerer wird es.

Und das ist es schlussendlich, was deine Muskeln, beziehungsweise beim Ideen finden dein Hirn trainiert.

Daher ist es wichtig, dass du jedes Mal mindestens zehn Ideen findest. Denn die ersten paar sind einfach. Nach sechs oder sieben wird es wahrscheinlich schon ein wenig anstrengender.

Ein Beispiel gefällig? Eine meiner Listen zum Thema «10 Ideen zum Fantasy-Weltenbau» sah so aus:

  1. Unbekannte Orte, die ich besuchen würde
  2. Völker(-gruppen), die in dieser Welt leben
  3. Unheimliche Bräuche / Rituale
  4. Rohstoffe, die noch entdeckt werden können
  5. Pflanzenarten, die in Höhlen wachsen
  6. Tierarten, die sich nur von einer bestimmten Pflanze ernähren
  7. Seltene Berufe
  8. Feiertage, an denen etwas Seltsames geschieht
  9. Magiearten (ohne Elemente wie Feuer, Erde, Wasser, Luft)
  10. Persönlichkeiten, die ich gerne kennenlernen würde

Fordere dich und finde «schlechte“ Ideen

Wenn du merkst, dass du nach acht Ideen bereits nicht mehr weiter weisst, hör nicht einfach auf.

Dann setze das Ideen-Minimum auf 15. Oder gar auf 20.

Vielleicht fragst du dich, warum du mehr Ideen finden sollst, wenn du nicht einmal die ersten zehn schaffst.

Laut James Altucher hat das einen einfachen Grund: Indem du anstatt zehn plötzlich doppelt so viele Ideen finden musst, beginnst du, auch vermeintlich schlechte Ideen in Betracht zu ziehen. Denn die ersten fünf oder sechs guten Ideen hast du bereits aufgeschrieben.

Du zwingst dich so, einen Schritt weiter zu denken, denn das Naheliegende hast du schon abgegrast. Und sind wir ehrlich: Die naheliegenden Ideen sind langweilig, denn sie sind zu einfach. Und sie könnten jedem anderen auch einfallen.

Es sind die ungewöhnlichen Ideen, die spannend sind.

Ja, es geht noch mehr

Vielleicht hast du die Idee, die du brauchst, bereits gefunden. Ich bin nach dieser ersten Liste oftmals so im Schuss, dass ich gleich nochmals eine Runde draufpacke und einen Schritt weiter gehe:

Ich denke mir zu jeder dieser Ideen wiederum mindestens zehn neue Ideen aus.

Meine Liste zu den «10 unbekannten Orte, die ich besuchen würde» sieht nach diesem Schritt folgendermassen aus:

  1. Die silbernen Wälder von Arnoth
  2. Feuerthal
  3. Die Nördlichen Kristallseen
  4. Die Nebelsümpfe von Methradas
  5. Die Schwefelhöhlen
  6. Schneewurmtiefen
  7. Die Luftstädte von Kerish
  8. Die Südlichen Spiegelwälder
  9. Die Lavaruinen von Telrandor
  10. Die Glasebene

Ich habe also hier bereits zehn Gebiete, die ich in meiner Fantasywelt platzieren könnte. Und zu jedem einzelnen habe ich bereits irgend eine Idee, wie ich es verwenden oder wer es bewohnen könnte.

Wenn ich eine dieser Ideen gebrauchen kann, oder diese noch weiter vertiefen möchte, beginne ich mit dem «Freewriting“. Ich setze mir einen Rahmen — zum Beispiel 15 Minuten oder eine fixe Anzahl Wörter — und schreibe mir alles auf, was mir zu diesem Punkt einfällt.

Meistens kommen mir dazu dann weitere Ideen, die ich wiederum notiere und gegebenenfalls vertiefe.

Die Büchse der Pandora — oder der Ideen-Karteikasten

Entgegen des Ratschlags von James Altucher, der meint, man solle die Ideen alle wegwerfen, weil es schliesslich um die Übung an sich geht, behalte ich alle meine Ideen. Denn vielleicht kann ich die in einem anderen Projekt wieder verwenden, oder ich kann Ideen miteinander zu neuen kombinieren.

Egal, wie langweilig, lächerlich oder einfach sie mir erscheinen, ich werfe nichts weg — jedenfalls nicht direkt danach.

Ich notiere mir restlos alle Ideen auf Karteikarten.

So habe ich mir mittlerweile einen akzeptablen Ideen-Fundus angelegt. Ich habe meine Kärtchen kategorisiert (zum Beispiel «Plot“, «Charakter“, «Worldbuilding«), und hin und wieder setze ich mich dran und sortiere die wirklich schlechten Ideen aus.

Diesen Karteikasten habe ich immer zur Hand und kann darauf zurückgreifen, wenn ich eine Idee oder eine Inspiration brauche.

Fazit

Wie du siehst, lassen sich mit Listen wunderbar in kurzer Zeit unzählige Ideen finden.

Wichtig dabei ist, dass du das «Ideen finden» regelmässig machst, denn auch die Kreativität muss gefordert und trainiert werden. Du wirst merken, dass es dir mit der Zeit leichter fällt, schnell gute Ideen zu finden.

Zum Abschluss habe ich dir noch eine Liste zusammengestellt, die dir als Einstieg in deine Ideenlisten dienen kann.

  • Was willst du schreiben?
  • Was willst du erfinden?
  • Was willst du können?
  • Was willst du wissen?
  • Was willst du besitzen?
  • Was willst du entdecken?
  • Wen willst du kennenlernen?
  • Welche Orte willst du besuchen?
  • Was hast du noch nie erlebt?

Was sagst du – ist diese Technik etwas für dich?
Welche Methode wendest du an, wenn du schnell Ideen brauchst?