Ich bin ehrlich: Ich bin damals ziemlich blauäugig in die ganze Schreibsache gestartet. Ich dachte, Schreiben sei ja ein Hobby und als Hobby müsse es schliesslich immer Spass machen. Doch je mehr ich über das Schreiben gelernt habe, desto mehr habe ich festgestellt, dass das Schreiben nicht immer ein Zuckerschlecken ist.

Damit du weisst, worauf du dich einlässt und nicht nach einer Woche frustriert die Flinte (den Text) ins Korn (in den Papierkorb) wirfst, habe ich für dich in knackigen 14 Punkten zusammengefasst, was du als Anfänger über das Schreiben wissen solltest.

1. Warum willst du schreiben?

Die wichtigste Frage überhaupt ist: Warum willst du unbedingt schreiben?

Warum ausgerechnet schreiben? Warum möchtest du nicht kochen lernen, oder einen Marathon laufen? Warum kein Instrument lernen? Oder malen?

Diese Frage kannst nur du dir beantworten. Die Frage ist wichtig, denn die Antwort treibt dich an und hilft dir, den Fokus nicht zu verlieren.

2. Für wen willst du schreiben?

Vielleicht am Anfang noch nicht ganz so wichtig — aber dennoch solltest du einmal darüber nachdenken. Möchtest du nur für dich schreiben, zum Beispiel Tagebuch? Oder möchtest du deine Geschichten irgendwann einmal veröffentlichen? Möchtest du einen Gedichtband für Froschliebhaber publizieren?

Egal, was du schreiben möchtest — wenn du Ambitionen hast, deine Texte zu veröffentlichen, solltest du dir überlegen, ob es dafür eine Zielgruppe gibt. Nichts ist frustrierender, als mit der »fantastischen Geschichte vom furchtbar langsam wachsenden Gras” keine Leser zu finden (und nein, deine Mutter zählt nicht als Leser).

Dazu solltest du dir Gedanken zum Genre und zum Thema machen, und dir überlegen, ob es Leser gibt, die das auch interessiert.

3. Was willst du mit deinem Geschriebenen anstellen?

Willst du die Familiengeschichte als Buch drucken lassen? Soll dein Fantasy-Fünfteiler eine E-Book Serie werden? Oder möchtest du einfach in aller Ruhe Tagebuch schreiben, das keiner lesen soll?

Was auch immer du schreibst — ab einem gewissen Punkt macht es Sinn, darüber nachzudenken, was du mit deinen Texten machen willst.

4. Schreiben ist eine Reise, das Buch ist das Ziel

Du würdest bestimmt gerne am weissen Strand liegen, den Sand und die Wellen an deinen Füssen spüren und die Nase in dein tolles neues Buch stecken, oder? Ja – sind wir ehrlich, wer von uns beiden will das nicht. Der Weg zum Strand ist aber beschwerlich, voller Abzweigungen und vermeintlichen Abkürzungen.

Ausserdem ist links und rechts des Weges das Gras immer grüner — sprich: Du wirst immer wieder das Gefühl haben, dass die aktuelle Idee nichts taugt und die, die dir grad eingefallen ist, sowieso viel besser ist.

Aber du wirst auch fremde Kulturen entdecken, neue Leute und Bräuche kennenlernen. Deine Charaktere werden dir unglaublich viel von sich erzählen. Du wirst während deiner Reise viel über deine Geschichte erfahren.

So schön das Reisen aber auch ist: Verliere nie das Ziel aus den Augen.

5. Schreiben ist harte Arbeit

Dies ist einer der wichtigsten Punkte, die ich über das Schreiben gelernt habe.

Du wirst an den Punkt kommen, an dem du dich fragst: Warum tue ich das alles eigentlich? Sollte mir Schreiben nicht Spass machen? Warum muss ich mich an manchen Tagen durch die Schreibzeiten quälen?

Willkommen im Autorenleben. Würde Schreiben immer den grössten Spass machen, würde jeder schreiben. Und jeder hätte schon mindestens einen Roman veröffentlicht. Dem ist aber nicht so.

Denn Schreiben ist Arbeit. Es gibt Regeln, die gelernt und eingehalten werden müssen (zum Beispiel die Grammatik). Und das Meisterwerk steht nicht nach der ersten Niederschrift — ich wage zu behaupten, dass die eigentliche Arbeit mit der Überarbeitung des ersten Entwurfs überhaupt erst anfängt.

Und manchmal macht es Spass, manchmal aber ist es einfach nur ätzend.

An solchen Tagen ist es wichtig, dass du trotzdem schreibst und dein tägliches Soll erfüllst. Denn wenn du eines Tages deinen Roman in Händen halten willst, musst du auch dann schreiben, wenn du keine Lust dazu hast.

6. Du brauchst Talent — aber noch viel mehr harte Arbeit

Du glaubst, du hast kein Talent, weil all den anderen Autoren ihre Ideen nur so um den Kopf fliegen und du nicht vom Fleck kommst? Weil die so toll schreiben können und alle drei Monate ein neues Buch veröffentlichen? Du haderst mit dir, weil du glaubst, dir fehlt das Talent dazu?

Wie Albert Einstein so treffend gesagt hat:

Ein Genie besteht zu 1 Prozent aus Talent und zu 99 Prozent aus harter Arbeit.

Und er musste es ja wissen.

Die Ausrede, dass du nicht schreiben kannst, weil du kein Talent hast, zieht nicht. Irgend ein Quäntchen Talent hast du bestimmt — aber du brauchst vor allem ein Ziel, Durchhaltevermögen und Geduld; denn ohne harte Arbeit kriegst du deinen Roman nie fertig.

Da hilft alles Talent nichts — deine Geschichte schreibt sich schliesslich nicht von alleine. Also mach dich an die Arbeit.

7. Viele Wege führen nach Rom

Es gibt unzählige Blogs und Bücher über das Schreiben, und manchmal ist es schwer, vor lauter Bäumen den Wald zu sehen. Das Wichtigste dabei ist:

Probiere aus.

Was für mich funktioniert, hilft dir vielleicht nicht: Der Einstieg in das Autorenleben ist eine persönliche Sache und nicht jeder Ratschlag ist für jedermann geeignet.

Wenn dir ein Ansatz nicht passt, dann ändere ihn. Wenn du zum Beispiel mit einer fixen Wortanzahl pro Tag nichts anfangen kannst, versuche es mit einem Zeitlimit. Wenn du besser mit Musik schreiben kannst, hör nicht auf die, die behaupten, Musik lenke ab. Es gibt keine guten oder schlechten Schreibtipps — es gibt nur solche, die dir helfen, und solche, die es nicht tun.

Was für dich funktioniert, musst du selber herausfinden.

8. »Der erste Entwurf ist immer Mist”

Frei nach Hemingway — und er hatte Recht, der erste Entwurf ist tatsächlich immer Mist.

Stelle dich darauf ein und du wirst merken, dass du so deinen ersten Entwurf viel lockerer schreiben kannst — denn du kannst ohne überzüchtete Ambitionen an deinen Text ran.

Und den ersten Entwurf soll — darf! — auch niemand lesen, denn der gehört dir ganz allein. Und vergiss Grammatik, Stil und Regeln. All das kommt erst bei der Überarbeitung dran.

9. Schreibe in einem Rutsch

Die Chancen sind gross, dass du den Entwurf nicht fertig schreibst, wenn du mitten drin eine Pause machst.

Schreibst du also eine Kurzgeschichte, schreibe sie in einem Rutsch. Wenn du einen Roman schreibst, schreibe kapitelweise.

Aber höre nicht mittendrin auf, denn dann verlierst du die Motivation.

10. Schreibe und überarbeite nicht gleichzeitig

Überarbeite nicht, während du den ersten Entwurf schreibst.

Vergeude deine Zeit nicht damit, jeden Satz zu verschönern, den du geschrieben hast. Denn vielleicht passt der am Ende gar nicht mehr in den Text.

Beginne erst mit der Überarbeitung, wenn der erste Entwurf steht. Dann hast du den Überblick über die ganze Geschichte und weisst, welche Textpassagen rausfallen, ergänzt oder umgeschrieben werden müssen.

Erst dann solltest du dich der Wortwahl, dem Satzbau und der Grammatik widmen.

11. Du bist dein schlimmster Kritiker

Nicht einmal dein ärgster Feind könnte deine Texte so zerreissen wie dein innerer Kritiker. Und glaube mir: Jeder Autor kämpft mit Selbstzweifeln.

»Was schreibst du denn für einen Müll?” – »Das liest doch eh keiner.” — »Andere können das viel besser!” — »Damit willst du irgendwann einmal Geld verdienen?” — »Du kannst doch eh nichts.” — »Das gab’s doch schon.” — »Ach, wie langweilig!”

Ja, der innere Kritiker. Jeder hat ihn – und jeder sollte ihn zum Schweigen bringen. Zumindest dann, wenn es um das Schreiben des ersten Entwurfes geht. Denn dazu hat der innere Kritiker rein gar nichts zu sagen.

Der erste Entwurf gehört nur dir alleine und da darf keiner reinreden.

12. Sei ein Text-Messie

Werfe nichts weg, lösche nichts.

Auch wenn du etwas geschrieben hast, das dir die Socken auszieht, weil es so schlecht ist, oder wenn es nicht mehr ins Konzept passt: Lösche es nicht. Speichere es meinetwegen im Verlies deiner Festplatte oder irgendwo, wo du es vergessen kannst — aber behalte es.

Denn vielleicht kannst du es in ein paar Wochen oder beim nächsten Projekt gebrauchen.

13. Sei anders

Lass dich nicht entmutigen, wenn du merkst, dass es deine Geschichte in irgend einer Form schon gibt. Die grossen Themen sind sowieso schon alle beackert worden, wie zum Beispiel Liebe, Abenteuer oder Rache.

Also kommt es nicht darauf an, was dein Thema ist, sondern wie du es umsetzt.

Ändere die Umgebung (zum Beispiel nicht die Erde, sondern der Mond), ändere die Zeit, das Genre oder das Geschlecht deiner Charaktere. Erfinde etwas neues, lasse dich nicht auf die offensichtlichen Kombinationen ein.

Denke weiter und sei originell.

14. Halte durch

»Aber das gibt’s doch schon.” — Ja, den inneren Kritiker hatten wir bereits.

Aber Familie und Freunde können fast genau so fies sein.

»Wie, du schreibst einen Roman? Ja, worum geht’s denn? Ah, kennst du Lord of the Rings? Da geht’s auch um Elfen, Zwerge und eine Abenteuergruppe.”

Akzeptiere, dass deine Geschichte — vor allem, wenn du noch nichts veröffentlicht hast — mit allem verglichen wird, was auch nur ansatzweise mit ihr zu tun hat. Und sei es nur die Haarfarbe deines Protagonisten.

Aber lass dir deine Geschichte nicht madig reden; vor allem nicht, bevor du sie nicht fertiggeschrieben hast.

Und jetzt du:

Bist du bereit, in das Autorenleben zu starten?

Dann nimm dir jetzt 15 Minuten Zeit und beantworte für dich die erste Frage:

»Warum will ich schreiben?”

Schreib in einem Zug, ohne zu korrigieren, und ohne Unterbruch. Notiere alles, was dir dazu einfällt.

Jetzt weisst du, warum du Schreiben willst.

Nimm dir noch ein wenig mehr Zeit und fasse das »Warum” in einem Satz zusammen.

Diesen Satz druckst du dir aus und hängst den über deinen Monitor oder deinen Schreibtisch.

Denn das ist der Grund, warum du jeden einzelnen Tag zum Stift oder zur Tastatur greifst und dich durch Höhen und Tiefen schreibst.

Das ist dein Zugpferd, dein Schreibziel.

Verliere es nicht aus den Augen.