Als ich mit meinem Romanprojekt, dem «Seelensammler», begann, hatte ich weder eine Vorstellung vom Plot, noch von Figuren, Szenen oder vom Setting. Das Einzige, was ich wusste, war, in welchem Genre ich schreiben wollte.

Aber das reicht natürlich nicht aus, um einen Roman zu schreiben. Ich brauchte mindestens eine Grundidee, die ich weiter ausbauen konnte.

Wie aber kann man eigentlich Ideen für den Roman finden? Ich zeige dir, wie ich das beim «Seelensammler» gemacht habe.

Am Anfang war das Nichts.

Als ich den Entschluss gefasst hatte, einen Roman zu schreiben, hatte ich keine Ahnung, worum es gehen sollte. Ich hatte weder eine Idee, die sich «verplotten» liess, noch eine Vorstellung, wo das Ganze spielen sollte, geschweige denn, welche Figuren auftauchen sollten.

Ich ging also ohne Navi oder Ziel aus der Haustür raus und musste gucken, wohin der Weg mich führt.

Doch ein bisschen fühlte ich mich wie Gott: Ich hatte die Möglichkeit, buchstäblich aus dem Nichts etwas zu erschaffen. Ob dieses Etwas dann funktionierte und für einen Roman geeignet war, wusste ich natürlich noch nicht.

Dieses Gefühl ist toll – aber es erfordert auch jede Menge Arbeit.

1. Was würde ich gerne lesen?

Das war das Erste, worüber ich mir Gedanken machte. Da ich querbeet lese, änderte ich die Fragestellung schliesslich zu «Was würde ich auf keinen Fall lesen wollen?». Ich wollte keinesfalls ein zehnbändiges Fantasy-Epos oder irgendwas mit Vampiren oder Werwölfen, also Urban oder Contemporary Fantasy, lesen. Auf Romanzen, Tragisches und allzu Schwermütiges war ich auch nicht sonderlich scharf.

Am liebsten hätte ich Abenteuer in einer Welt, die nicht zu abgefahren ist, und am besten mit ein wenig Magie oder Phantastischem abgeschmeckt.

Diese Überlegungen führten mich schliesslich zum nächsten Punkt:

2. Die Definition von Zielgruppe und Genre

Da ich kein Jugendbuch schreiben (und auch nicht lesen) wollte, war mir klar, dass die Zielgruppe (junge) Erwachsene sein sollten.

Die Überlegungen zu meinen Vorlieben und der Zielgruppe führten dazu, als Genre Low-Fantasy zu wählen. Im Gegensatz zur High-Fantasy, in dem der Held meistens die ganze Welt retten muss, sind die Probleme des Protagonisten für das restliche Weltgeschehen weitgehend irrelevant. Auch Magie ist normalerweise nicht so ausgeprägt wie im High-Fantasy-Genre, und die Welt erinnert eher an eine Art Parallelwelt zu unserer (mittelalterlichen).

3. Das Genre gibt die Richtung vor

Ich habe mich also für ein Genre festgelegt. Nun hiess es, herauszufinden, was die Eigenheiten dieses Genres sind, und was von Lesern und Fans erwartet wird: Eine brachiale, brutale Welt mit Figuren, die nicht nur gut oder böse sind. Phantastische Elemente stehen eher im Hintergrund, was aber nicht heisst, dass es sie nicht gibt.

Auch das Gefühl des Romans war mir dadurch bald klar: Es sollte eine brachiale, actionreiche und ein wenig düstere Geschichte werden.

4. Brainstormen einer Figur

Ich wollte mir ein Bild von dieser Welt machen, von den Leuten, die sie bewohnen. Also erschuf ich aus dem Blauen heraus eine Figur. Ich orientierte mich dabei an den Vorgaben des Genres – sonst aber hatte ich noch keine Vorstellung davon, ob die Figur jung, alt, männlich oder weiblich sein sollte, geschweige denn, was für Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sie haben könnte.

Während des Brainstormings warf ich alles aufs Papier, das mir interessant erschien, ohne bereits gross ins Detail zu gehen. Dabei konzentrierte ich mich erst einmal auf die physiologische Ebene: Wie soll die Figur aussehen? Was macht sie speziell? Woran würde man sie sofort erkennen? Und schliesslich, wie spricht sie, gestikuliert sie – wie «ist» sie, passend zu ihrem Aussehen?

Spannend fand ich dann die Entwicklung der (Hintergrund-)Geschichte der Figur, die sich dabei fast automatisch ergab. Ein Einfall beim Brainstorming, der mich schliesslich nicht mehr losliess, war, dass meine Figur ein Brandmal haben soll.

Und so ergaben sich viele Folgefragen: Woher hat sie es? Was bedeutet es? Warum trägt sie es? Wann hat sie es erhalten?

5. Das Finden einer Grundidee

Um diese Fragen entwickelte sich schliesslich eine Grundidee: Neben vielen verschiedenen Ideen, wer alles ein Brandmal tragen könnte, fand ich diese am spannendsten: Das Brandmal sollen alle erhalten, die in ein Gefängnis gebracht werden.

Und hieraus entstanden natürlich wiederum weitere Fragen: Warum kommt meine Figur ins Gefängnis? Und wie kommt sie wieder raus? Wie lange ist die Figur schon dort? Wie ist das Leben im Gefängnis? Was ist das überhaupt für ein Gefängnis?

Doch dann tauchten auch kritische Fragen auf: Wie wichtig ist diese Figur mit dem Brandmal überhaupt? Kann es sein, dass sie vielleicht gar nicht Protagonist / Antagonist ist, sondern irgendeine Nebenfigur? Spielt das Gefängnis vielleicht gar keine so grosse Rolle?

In diesem Stadium merkte ich, dass ich irgendwann einen Schlussstrich ziehen musste: Denn je mehr Fragen ich mir stellte, desto mehr Grundideen zu möglichen Geschichten fand ich.

Schliesslich entschied ich mich für folgende Ausgangslage:
Die ist Figur Protagonist/in und steht direkt mit dem Gefängnis in Verbindung.


Wie ich schliesslich aus der Grundidee einen Plot entwickelt habe, zeige ich dir in einem weiteren Beitrag.


Wie gehst du vor, um Ideen für den Roman zu finden?