Manchmal ist es schwer, Motivation zum Schreiben zu finden:

Das Schreiben eines Romans kommt mir zwischendurch vor wie eine Liebesbeziehung. Am Anfang kribbelts, alles ist neu und aufregend, nichts kann einen aufhalten.

Aber irgendwann wird der Punkt erreicht, an dem das «Verliebtsein» sich legt und der Alltag Einzug hält. Dann erst beginnt die wahre Arbeit: Entweder man arrangiert sich mit den Macken des anderen und steckt Energie in die Beziehung, oder man gibt sie auf.

Wo denn bloss ist die Motivation zum Schreiben geblieben?

Kennst du das auch?

Du steckst mitten im Projekt, du hattest vor einigen Wochen die zündende Idee zu einem tollen Plot, hast die Charaktere ausgearbeitet und die verschiedenen Plotpunkte festgelegt. Die ersten paar Kapitel sind dir nur so aus den Fingern geflossen …

Aber jetzt ist plötzlich die Luft raus.

Du hängst vor deinem Manuskript, und es will einfach nicht weitergehen. Das, was du schreibst, ist — gelinde gesagt — scheisse, die Charaktere machen alles ausser das, was sie sollen, und überhaupt kommt dir die Idee gar nicht mehr so toll vor, wie du sie dir am Anfang ausgemalt hast.

Was nun?

Das Verliebtsein ist weg. Jetzt geht es also darum: aufhören oder weitermachen.

Was wirst du tun?

Wahrscheinlich möchtest du dranbleiben, denn wenn du aufhörst, hast du quasi den Krieg gegen all deine inneren Kritiker und Nörgler verloren. Das willst du bestimmt nicht. Oder?

Du willst also weitermachen. Aber wie bloss?

Ich zeige dir, mit welchen Tricks ich es schaffe, mich regelmässig und erfolgreich zu motivieren:

Tipp 1: Merke, Schreiben ist Arbeit

Rufe dir in Erinnerung, dass der Mensch mehrheitlich faul ist und den Weg des geringsten Widerstands sucht. Also mach dir klar, dass Schreiben Arbeit ist. Arbeit bedeutet, auch dann etwas zu erledigen, wenn es dir nicht Spass macht oder leicht fällt.

Aber Arbeit bedeutet auch, dass du einen Lohn dafür erhältst.

Ob du das Buch schlussendlich verkaufst und einen «richtigen» Lohn dafür bekommst, ob du deine Geschichten auf einem Blog veröffentlichst oder für die Schublade schreibst: Der Lohn, den du erhältst, ist die Befriedigung, die du erfährst, wenn du etwas vollendet hast.

Tipp 2: Überlege dir, warum

In den dunklen Stunden, in denen ich mich durch mein Manuskript quäle, hilft mir ein Gedanke sehr: Nämlich die Antwort auf die Frage «Warum tue ich das eigentlich?».

Ich tue das alles nicht für Ruhm oder weil ich glaube, den nächsten NY Times Beststeller zu schreiben. Ich tue es, weil ich eine fantastische Geschichte erzählen will. Und ich tue das für mich, um mir zu beweisen, dass ich es kann.

Tipp 3: Visualisiere dein Ziel

Ich habe mir die Antwort zur Frage «Warum tue ich das eigentlich?» auf einem kleinen Kärtchen notiert und direkt an den Monitor gehängt. Ich habe die Karte so verziert, dass sie meinen Blick auf sich lenkt, wenn ich nicht mehr weiter weiss und mich ablenken möchte.

Schreibe dir die Antwort auf die Frage auf einen Zettel oder bastle dir einen Bildschirmhintergrund. Platziere sie so, dass du sofort an dein Ziel erinnert wirst, wenn du das Interesse am Projekt verlierst.

Tipp 4: Bewerte deine Zeit

Manchmal möchte ich mein Projekt am liebsten mitsamt den Karteikarten und Notizbüchern in den Mülleimer werfen, weil ich es so schlecht finde. Und viel lieber eine Folge meiner Lieblingsserie schauen und mir all den Ärger ersparen.

Doch dann rufe ich mir in Erinnerung, was mir die Freizeit wert ist, die ich zur Verfügung habe.

Ich bin ein kreativer Mensch, ich möchte etwas erschaffen. Also hat für mich die Zeit, die ich ins Fernsehen stecke, weniger Wert als die Zeit, die ich für das Schreiben aufwende.

Weil mir das Schreiben auf Dauer mehr zurückgibt als alles andere.

Überlege dir, was dir deine Zeit bedeutet. Ist es dir wert, deine Freizeit mit etwas Nutzlosem zu vergeuden?

Tipp 5: Schritt für Schritt: Die To-do Liste hilft

Wenn ich feststecke und mir die Motivation zum Schreiben fehlt, dann überlege ich mir, warum ich nicht weiterkomme und was mich an meinem Projekt genau demotiviert.

Vielleicht habe ich mich in eine Ecke geschrieben, vielleicht habe ich ein neues Plotloch entdeckt, das mich zwingt, die letzten Kapitel umzuschreiben. Was auch immer es ist: Wenn ich herausfinde, was das Problem ist, versuche ich es in kleine Schritte aufzuteilen.

Oder wenn ich vor lauter Arbeit den Roman nicht mehr sehe: Ich seziere mein Ziel in kleine Häppchen und erstelle mir davon eine To-do Liste, die ich abarbeite.

Die Vorteile: Einerseits habe ich das Problem eingekreist und eine Lösung dazu gefunden. Die kleinen Häppchen kann ich in kurzer Zeit umsetzen. Und ich kann nach jedem erledigten Schritt einen grossen Haken dahinter setzen. Das motiviert mich zusätzlich.

Analysiere dein Problem: Warum genau hast du keine Motivation zum Schreiben? Hängst du irgendwo fest? Macht etwas keinen Sinn? Hast du ein Detail übersehen? Ist dein Ziel zu abstrakt?

Denke darüber nach und ich bin sicher, dass du dazu eine Lösung finden wirst, die dich motiviert, weiterzuschreiben.

Tipp 6: Die Deadline — deine beste Freundin

Setze dir Deadlines: Eine wichtige Deadline ist natürlich das Beenden des Buches. Davor gibt es aber unzählige andere: Den ersten Entwurf in drei Monaten geschrieben zu haben. Den Szenenplan in vier Wochen abgeschlossen und den Plot in zwei Wochen fertig geplant haben.

Wie sehen deine Deadlines aus? Sind sie realistisch? Kannst du diese noch weiter aufteilen?

Je kleiner die Schritte sind, umso einfacher kommst du voran. Und das wiederum motiviert dich, weiterzumachen.

Tipp 7: Lass dich unter Druck setzen

Manche brauchen den Druck von aussen: Ich arbeite auch am effizientesten, wenn ich kurz vor Abgabetermin bin. Aber das funktioniert bei mir nur, wenn andere davon wissen; Deadlines ohne »offizielle” Ankündigung helfen mir nicht.

Teile die Deadlines deinen Freunden mit. Oder veröffentliche diese auf dem Blog, der Facebook-Seite oder Twitter. Setze dich selber unter Druck.

Und mache Status-Updates. Wie weit bist du von deinem nächsten Ziel entfernt? Schaffst du es überhaupt? Was musst du tun, damit du dich nicht öffentlich blamierst, weil du das anvisierte Ziel nicht erreicht hast?

Tipp 8: Lass dich motivieren

Seit ich aktiver auf Twitter und Facebook unterwegs bin, bin ich produktiver. Klar, Twitter und Facebook, Blogs und alle anderen Sozialen Medien sind Zeitfresser schlechthin. Aber sie sind auch bestens dazu geeignet, Motivation zum Schreiben zu finden.

Mich packt jedes Mal die Arbeitswut, wenn ich jemanden sehe, der seinen Wordcount des Tages twittert. Oder wenn jemand vom erfolgreichen Abschluss der Plotphase bloggt. Oder auf Facebook posted, dass er nur noch drei Kapitel zur Vollendung des Manuskripts hat.

Nutze diese kreative Energie. Verwende sie als persönlichen Wettbewerb. Versuche, deine Social-Media Freunde und Vorbilder zu toppen.

Tipp 9: Schaue nicht nach unten

Was beispielsweise beim Klettern oder für Leute mit Höhenangst gilt, zählt auch für Autoren: Lass dich nicht einschüchtern und überlege dir nicht, wie viel du noch zu tun hast — sondern blicke auf das, was du bereits geschafft hast.

Bestimmt lohnt es sich, daran weiterzuarbeiten. Wäre doch schade, wenn du all die bisher investierte Zeit einfach so wegwerfen würdest.

Tipp 10: Und wenn alles nicht mehr hilft …

… und du wirklich am dunkelsten Punkt deiner Motivation angelangt bist, dann schreib wenigstens 250 Wörter. Oder zehn Minuten. Mach irgendwas an deinem Projekt, und wenn es nur zehn Sätze sind.

Dann belohne dich mit einer grossen Tasse Schokolade, einem Stück Kuchen oder einem Schaumbad.

Vergiss diesen Tag und freue dich, dass du trotzdem etwas an deinem Projekt geschrieben hast.

Und stelle dich darauf ein, dass du morgen motivierter bist und mehr schreibst, als heute.

Fazit

Wenn dir die Motivation zum Schreiben fehlt, mach dir keine Sorgen: Du bist nicht allein. Tausche dich mit Freunden aus, und probiere den einen oder anderen Tipp aus.

Wenn dir Deadlines nicht liegen, dann lass sie. Oder wenn du mit To-do Listen so gar nichts anfangen kannst.

Aber vergiss nicht, dass du nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen darfst: Lass dich nicht demotivieren, denn Schreiben ist Arbeit.

Aber eine schöne Arbeit, die sich lohnt.

Hat dir der eine oder andere Tipp geholfen?
Was kennst du für Kniffe, damit du die Motivation zum Schreiben wieder findest?
Lass es mich in den Kommentaren wissen. 🙂