Fantasynamen: 8 Tipps, die dir helfen, gute Namen zu finden

Weltenbau ist fast wie Kinderkriegen.

Irgendwann sind die Charaktere, die Gegenden, Städte und Völker ausgereift, und du musst nur noch etwas tun, um deine neuen Schöpfungen zu vollenden: geniale Fantasynamen finden.

Fantasynamen erschaffen – eine Disziplin für sich

Während Romane, die nicht im Fantasy-Genre Zuhause sind, mit alltäglichen Namen für Figuren und Schauplätze auskommen, ist es für Geschichten im Fantasy- oder Science Fiction Genre meistens unumgänglich, neue Namen für die erschaffene Welt zu erfinden.

Vor allem Romane des High-Fantasy Genres brauchen Namen, die mit unserer realen Welt nichts zu tun haben. Damit die erschaffene Welt glaubhafter wird, darf ich meinen grobschlächtigen Krieger nicht einfach Jonas Müller nennen. Fantasyleser erwarten neben einer neuen Welt, die sie entdecken können, auch neue Namen und Bezeichnungen, die nichts mit der Realität zu tun haben.

Ich tue mich schwer, passende Fantasynamen zu kreieren. Dabei geht es nicht nur um Namen für Figuren, sondern auch um Bezeichnungen für Berge, Flüsse, Länder, Städte, Völker, Bücher, Vereinigungen, Pflanzen, Tiere — also um alles, was in meiner neuen Welt irgendwie einen Namen braucht.

Weil ich mich mit der Entwicklung von passenden Namen so schwertue, ist die Namensfindung auch etwas, das mich bei der Welt- und Charaktererschaffung am meisten Zeit kostet.

Schliesslich möchte ich eine stimmige Welt kreieren und stelle daher grosse Ansprüche an die Namen meiner Figuren, Orte und Dinge. Ich habe dazu eine Liste von acht Tipps zusammengestellt:

Tipp 1: Der Name sollte zur Figur oder der zu benennenden Sache passen

Der Name einer Figur kann bereits viel über den Charakter oder die physische Erscheinung preisgeben. Eine zarte, hübsche Prinzessin sollte vielleicht eher «Eleana» heissen, anstatt «Rakgora». Unter «Kragoth» kann ich mir eher einen Kämpfer vorstellen, als unter «Belin».

Bei Tolkien beispielsweise zeigt sich die Gesinnung der Figuren sehr schön: den «bösen», düster klingenden Namen «Sauron»; «Saruman», «Mordor», «Ork» stehen die «guten», hell klingenden mit «Arwen», «Gimli», «Eowyn», «Bilbo» gegenüber.

Flüsse, Gegenden oder Länder sollten so benannt werden, dass diese zu den Namen der Figuren passen, die dort leben. Denn die Figuren sind in dieser Umgebung aufgewachsen und werden den Bergen, Tälern und Seen Namen gegeben haben, die ihrer eigenen Sprache ähneln.

Achte darauf, dass du den Angehörigen einer Famile, eines Clans oder eines Volkes Namen gibst, die zueinander passen, um die Zusammengehörigkeit zu zeigen. Aussergewöhnliche Namen sollten daher immer begründet werden: Der Freund des Eisfischers «Krundar Garthson» kann durchaus «Suni Ashawaar» heissen. Er wird aber bestimmt nicht in dieser Gegend aufgewachsen sein, sondern aus einem anderen Land oder zumindest einer anderen Region stammen.

Tipp 2: Der Name sollte gut klingen und gut ausgesprochen werden können

Verwende keine Zungenbrecher wie «Arlpakoxoatl». Vielleicht freut es dich, dass du die einzige Person bist, die den Namen aussprechen kann, oder wenn du einen Namen erfunden hast, der bei Google keine Treffer erzielt. Du tust dem Leser damit aber keinen Gefallen.

Lies die Namen, die du dir ausgedacht hast, laut vor. Variiere dabei die Stimme und Lautstärke, so als würdest du diese Person oder diese Sache in einem Gespräch erwähnen. Wie klingt der Name, wenn er in einem Satz erwähnt wird? Wie klingt er, wenn er gerufen oder geflüstert wird? Geht er leicht von der Zunge? Ist klar, wie der Name ausgesprochen werden soll?

Manche Fantasynamen gleichen nur einer Aneinanderreihung von verschiedenen Buchstaben und Silben und sind womöglich noch mit allerhand Sonderzeichen, Hochkommas und Bindestrichen gespickt. Oft hören sich diese nicht nach Namen an, die in dieser Fantasywelt tatsächlich gewachsen sind.

Tipp 3: Der Name sollte keine ungewollten Assoziationen wecken

Starte eine Google-Suche und prüfe, wer oder was deinen Namen bereits trägt und wie der Name bereits vorbelastet ist. Ich habe festgestellt, dass ich zielsicher Namen von Figuren in Computergames «erschaffe» – von Games, die ich noch nie gespielt habe. In solchen Fällen ändere ich den Namen ab oder verwerfe ihn.

Einen einzigartigen Namen zu kreieren ist schier unmöglich. Finde dich damit ab, dass dein Name, an dem du vielleicht stundenlang gebrütet hast, nicht einmalig ist. Du solltest aber prüfen, ob er nicht bereits einer Person oder Sache gehört, die deiner Figur zum Verhängnis werden könnte.

Oft stelle ich fest, dass der soeben erschaffene Name ein reales Wort in einer fremden Sprache ist. Je nachdem, wie bekannt diese Sprache in meinem Kulturkreis ist  und was das Wort bedeutet, lasse ich den Namen stehen, ändere oder verwerfe ihn gleich ganz.

Rhovan, ein Charakter aus meinem aktuellen Romanprojekt, trägt den Namen einer Mine in Südafrika und meine Protagonistin Kerys spielt im realen Leben Football im englischen Nationalteam. Damit kann ich ganz gut leben.

Tipp 4: Die Namen sollten sich genügend voneinander unterscheiden

Wenn du deine Figuren benennst, solltest du darauf achten, dass du Namen verwendest, die sich in Klang und Schriftbild genügend voneinander unterscheiden, sodass keine Verwechslung passieren kann.

Variiere mit Anfangsbuchstaben und der Länge, damit du Namen schaffst, die sich der Leser gut merken kann. Nichts ist ärgerlicher — sowohl für den Leser als auch für den Autor –, als wenn die Figuren in einer gleichmässigen Suppe von ähnlich klingenden Namen ersaufen.

Tipp 5: Achte auf Klischeenamen

In Fantasyromanen häufig anzutreffen sind Namen, die ohne Nachnamen auskommen. Meistens werden diese Namen von einem Anhängsel begleitet, das die Figur genauer beschreibt. Ein bekanntes Beispiel ist «Conan, der Barbar» oder auch «Aragorn, Sohn Arathorns». Die Verwendung von nur einem Namen ist nicht unbedingt schlecht – allerdings ist diese Art von Namensgebung nicht unbedingt die schönste Art, eine Figur abzurunden.

Achte auch auf übertrieben «gute» oder offensichtlich «böse» Namen, denn manchmal verraten sie bereits zu viel vom Plot: Bei Cruella De Vil («Cruel», englisch für «grausam», und in «de vil» steckt das Wort «devil» — danke Arina 🙂 ) muss man 101 Dalmatians gar nicht schauen, um zu wissen, dass sie die Antagonistin ist. Oder bei Draco Malfoy ist auch sehr klar, auf welcher Seite er steht.

Ich versuche Namen für meine Figuren zu finden, die nicht so offensichtlich sind. Auch, weil ich nicht möchte, dass der Leser bereits anhand der Namen weiss, wer auf welcher Seite steht.

Tipp 6: Mit Wortkombinationen zum Fantasynamen

Ein wenig «tiefere Bedeutung» kannst du dem Namen verleihen, wenn du verschiedene Wörter miteinander verbindest. Als Inspiration nehme ich gerne Wörter, die den Charakter der Figur beschreiben, seinen Beruf oder seine Vorlieben. Ich verwende gerne englische Wörter, um daraus Fantasynamen zu schaffen.

Der Name für einen Dieb oder Meuchelmörder könnte beispielsweise aus den (durchaus sehr klischeehaften) Wörtern Night und Shade zusammengesetzt werden. Hierbei kombiniere ich die Wörter, Silben und Buchstaben willkürlich – so, wie es nach meinem Empfinden am besten klingt:

Night + Shade → Nishad / Neshad / Shani / Deshan

Dann nehme ich den Namen, der mir am vielversprechendsten erscheint, und erstelle weitere Versionen davon, bis mir schliesslich ein Name gefällt.

Deshan → Destan / Doshan / Dorhan / Dashan / …

Tipp 7: Anfangsbuchstabe, Zwischen- und Endsilben verwenden

Ich suche die Namen meistens nach dem Anfangsbuchstaben aus. Bei der Wahl der Zwischen- und Endsilben versuche ich, die kulturellen Hintergründe und das Geschlecht meiner Figur zu berücksichtigen. Beispielsweise enden die Frauennamen des Volkes, aus dem Kerys stammt, nur ganz selten auf einen Vokal.

Sagen wir, ich brauche einen männlichen Namen mit N. Mögliche Endsilben unter Berücksichtigung der Herkunft des Charakters könnten sein: -ion, -aman, -oth. Dann wähle ich (mehr oder weniger beliebig) die Zwischensilben: -eth-, -ez-, -er-

Es ergeben sich daraus folgende Namen:

N_ion → Nethion, Nezion, Nerion
N_aman → Nethaman, Nezaman, Neraman
N_oth → Nethoth, Nezoth, Neroth

Natürlich solltest du auch hier darauf achten, dass die oben genannten Kriterien zutreffen, die einen guten Namen ausmachen.

Tipp 8: Wenn gar nichts fruchtet: Namensgeneratoren befragen

Wenn alle Stricke reissen, greife ich zu Namensgeneratoren und lasse mich dort inspirieren. Viele dieser vorgeschlagenen Namen sind in den allermeisten Fällen für meine Welt unbrauchbar, weil sie beispielsweise vom Klang nicht passen.

So verwende ich die Namensgeneratoren hauptsächlich als Inspirationsquelle. Ich investiere eine Viertelstunde und schreibe in der Zeit alle Namen heraus, die mich ansprechen. Dann arbeite ich mit einer der beiden Methoden weiter: Ich verbinde zwei oder mehrere Namen miteinander, oder ich versuche die Namen anzupassen, indem ich einzelne Buchstaben oder Silben ersetze.

Fazit:

Ich liebe es, Fantasynamen für meine Welten und Figuren zu kreieren. Manchmal so sehr, dass es schon fast in Prokrastination ausartet. 🙂

Auch wenn es manchmal schwierig scheint, passende Namen zu finden, ist es mit ein paar wenigen Tricks und Tipps gar nicht mehr so eine Hexerei und macht richtig viel Spass.


Wie gehst du vor, wenn du Fantasynamen brauchst? Hast du eine eigene, bombensichere Taktik oder andere Kriterien, nach denen du Namen kreierst?

5

    Wieder mal ein super spannender Beitrag! 🙂

    Ich arbeite nach dem System von Tipp 7 😉 Endungen von Namen die öfter vorkommen (wie auch alle anderen sich wiederholenden Elemente), verweisen nämlich indirekt auch auf die Sprache dieser Gemeinschaft.

    Ohne eine Fantasysprache erfinden zu müssen, kann man sich trotzdem Gedanken darüber machen. Zum Beispiel: Werden bestimmte Endungen mit einem Geschlecht verbunden (so wie bei uns Namen die auf -a enden, meistens weiblich sind)? Welche Konsonant-Vokal-Muster sind in dieser Sprache überhaupt zulässig? Wieviele Konsonanten können ohne einen Vokal dazwischen zusammen stehen? -> Ist „Ktla“ zulässig oder gehen nur maximal zwei -> „Ktala“/“Katla“ oder werden solche Konsonantcluster überhaupt nicht gerne gesehen -> „Katala“ -> dasselbe gilt auch für Vokal-Anhäufungen. Und überhaupt: Welche/wieviele Laute hat diese Sprache? Man muss ja nicht immer das uns bekannte Alphabetinventar hernehmen 😉 Es gibt ja Sprachen, die kommen auch nur mit 3 Vokalen aus!

    Ich finde, dass allein schon diese Überlegung einen besonderen Charakter den Namen/Sprachen der Fantasyvölker geben kann, so, dass auch der Leser merkt, dass es sich um verschiedene Kulturen handelt.

    Man muss auch bedenken, dass die meiste Fantasyliteratur aus dem englischsprachigen Raum zu uns kommt – d.h. dass manche Namen für uns „fremd“ klingen, während sie in ihrem Ursprungsland z.B. eher einen archaischen Beigeschmack haben. Unsere Wahrnehmung davon, was bei Fantasynamen alles so mitschwingt, kann also von der ursprünglichen Mit-Bedeutung abweichen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, bei der Namenswahl 🙂

    Übrigens, in „Cruella De Vil“ steckt nicht nur „cruel“ drin, sondern auch „devil“ – einen sprechenderen Namen muss man erst noch suchen 😀 Und hier lernt man auch: manchmal reicht es auch nur, ein Wort auseinander zu reißen und etwas anders zu betonen, um einen Namen zu erhalten 😉

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    Hallo Arina,

    der Ansatz, sich Gedanken über eine mögliche Sprache zu machen, ohne eine erfinden zu müssen, ist super hilfreich, den verwende ich auch oft. Sehr interessant finde ich deinen Einwurf, dass nicht immer alle Vokale zur Verfügung stehen müssen. Denn so kann man durchaus „leicht“ verschiedene Kulturen schaffen.

    Mit den englischen Namen hast du vollkommen recht – ich habe schon Übersetzungen getroffen, da hiess einer der Charaktere zum Beispiel „Daran“ – was im Englischen bestimmt toll klingt, aber im Deutschen irgendwie nicht so Sinn macht („Daran hatte Daran nicht gedacht.“) … 😉

    Ach, da habe ich vor lauter Bäumen (und bösen Wörtern) den Wald nicht gesehen. Danke für den Hinweis mit dem „devil“ – den übernehme ich doch gleich. 🙂

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    Sehr guter Beitrag!
    Was ich noch sehr, sehr gerne mache (weniger für Geschichten, gerne aber für’s Rollenspiel 😉 ) ist, dass ich meine Figur nach einer Eigenschaft benenne. Aber nur weil eine Person „finster“ ist wäre es einfallslos sie auf „Finster“ oder „Darky“ zu nennen, schon klar.
    Da hilft mir dann häufiger mal Google Translate.
    Ich gebe die gewünschte Eigenschaft ein (rausgefunden habe ich es mit einer blinden Figur 😉 ) und herausgekommen ist „Sokea“.
    Im Deutschen ein – wie ich finde – sehr schöner Name.
    Asche auf mein Haupt, in der Ursprungssprache sollte man dann ein anderes Wort / einen anderen Namen wählen. 😀 Aber im Deutschen funktioniert es recht gut.
    Ebenso wandel ich Wörter, die mir die Übersetzung ausspuckt ab, um das Wort noch im Stamm enthalten, aber dennoch einen vollwertigen Namen zu haben.

    Das Prinzip ist ähnlich unseren deutschen Namen „Gottfried“ oder dem englischen Namen „Rose“ usw. usf.

    Kann man natürlich auch 1a mit den 8 Methoden kombinieren! 🙂

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    Hallo Tessa,

    danke dir für’s Lob! Google Translate ist auch eine sehr gute Idee und habe ich auch schon verwendet. Meistens ziele ich dann auf Sprachen, die in unserem Kulturkreis nicht so häufig sind und den meisten Lesern nicht so geläufig sind (natürlich gibt es immer Ausnahmen) 🙂

    Da gibt es, wie du mit „Sokea“ auch beweist, sehr schöne Beispiele. Schreibst du selber Rollenspiele (Pen&Paper, oder ähnlich)?

    Danke dir für deinen Kommentar! 🙂

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